Kapitel 4.2

Umweltschutz

Themen im Fokus

Die Textilindustrie belastet Umwelt und Klima stark – durch hohen Ressourcen- und Flächenverbrauch, Treibhausgasemissionen sowie den Einsatz schädlicher Chemikalien in Wasser und Böden, was auch die Gesundheit von Arbeiter*innen und Anwohner*innen beeinträchtigt.  

Vor diesem Hintergrund gewinnt das Thema Kreislaufwirtschaft an Bedeutung: Eine ressourcenschonende und schadstofffreie Kreislaufwirtschaft im Textilsektor kann erreicht werden, wenn der Wert von Textilien so lange wie möglich erhalten bleibt und Textilabfälle als wertvolle Sekundärrohstoffe in den Kreislauf zurückgeführt sowie für weitere Prozesse wiederverwendet werden können.  

Das Textilbündnis orientiert sich an den Kernzielen des European Green Deals und der aktuellen Textilstrategie der EU-Kommission. Um diese zu erreichen, sind die Mitgliedsunternehmen gefordert, sich intensiv mit Umweltschutz in ihren internen Prozessen auseinanderzusetzen. Wichtige Themen, die über die Fokusziele des Textilbündnisses abgedeckt sind, sind die Senkung des Ressourcenverbrauchs und der Treibhausgasemissionen sowie die Verbesserung des Abwassermanagements. Im Rahmen von Webinaren wurden weitere Themen behandelt wie Biodiversität, u.a. in Zusammenhang mit dem Einsatz von Pestiziden im Baumwollanbau. 

Im Rahmen des Fokusthemas setzt das Textilbündnis zwei Bündnisinitiativen und ein Mitgliederprojekt um. Die beteiligten Mitglieder befassen sich dabei unter anderem mit den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in ihren Produkten, welche ein zirkuläres Design für Produkte, Langlebigkeit, Reparierbarkeit und die Rezyklierbarkeit der Materialien umfassen sowie die Rückverfolgbarkeit von schädlichen Chemikalien. Des Weiteren werden Produktionsbetriebe befähigt, Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Durch das Fördern des Recyclings von Daunen und Federn soll zudem der Ressourcenverbrauch langfristig gesenkt werden. 

Auf der Textilbündnis-Website finden Sie weitere Informationen zum Fokusthema Umweltschutz. 

Bündnisinitiative Implementing Circularity in the Textile Industry

Zwischen 2000 und 2015 hat sich die weltweite Textilproduktion nahezu verdoppelt. Jährlich fallen weltweit rund 92 Millionen Tonnen Textilabfälle an – davon etwa 5 Millionen Tonnen in der EU. Nur 1 % des textilen Abfalls wird derzeit in kreislauffähigen Systemen recycelt, weniger als 1 % der verwendeten Fasern werden in die textile Produktionskette zurückgeführt.  

Die Bündnisinitiative Implementing Circularity in the Textile Industry (ICTI) zielt darauf ab, deutsche Modeunternehmen und ihre Lieferanten in den Produktionsländern Pakistan, Bangladesch, China und Indien dabei zu unterstützen, vollständig kreislauffähige Designs zu entwickeln. Darüber hinaus arbeiten die beteiligten Unternehmen an eigenen kreislauffähigen Produkten bis hin zu ganzen Kollektionen, die mit einem Digitalen Produktpass (DPP) ausgestattet sind. Dieser gewährleistet den Zugang zu Produktdaten und die Rückverfolgbarkeit für Kund*innen, Sortierbetriebe und Recycler. Beispielsweise über einen QR-Code im Pflegeetikett können so Informationen zum Material, zur Produktion und zum richtigen Rückgabekanal eingesehen werden. 

Im Februar 2024 startete die Bündnisinitiative mit einem Design-Workshop zu den Ökodesign-Richtlinien unter fachlicher Leitung des Implementierungspartners circular.fashion. Dabei lernten die beteiligten Fashion Brands und einige ihrer Zulieferer, wie sie anhand der Circular Design Criteria von circular.fashion vollständig kreislauffähige Produkte entwickeln können. Ziel ist es, jedes Produktelement so zu gestalten, dass es am Ende seines Lebenszyklus recycelt werden kann. Ein wichtiger Aspekt ist die Einbindung der Lieferanten während der Produktentwicklung und vor der Umsetzung von Produktionsschritten, damit die Kollektionen tatsächlich realisierbar und langfristig skalierbar sind. Im Sommer fanden ergänzende Workshops mit den Zulieferern statt, um gemeinsam an kreislauffähigen Produkten zu arbeiten. Die Mitgliedsunternehmen sehen diesen Austausch als besonders wertvoll an – nicht zuletzt wegen des praktischen Know-hows ihrer Lieferanten. 

Diese Mitglieder und Partner beteiligten sich an der Bündnisinitiative Implementing Circularity in the Textile Industry

Unternehmen: 
ALDI Süd, Blutsgeschwister, KiK, Otto Group mit OTTO und bonprix, Snocks, Tchibo, BoerGroup, Texaid, Grenzgang 

Zivilgesellschaftliche Akteure: 
FairWertung 

Umsetzungspartner:  
circular.fashion

Bündnisinitiative Supplier Decarbonization

Schätzungen zufolge ist die Textilindustrie für etwa 10 % der globalen CO2-Emissionen verantwortlich, wobei der Großteil während der Energieerzeugung und Produktion in den Lieferketten anfällt. Diese Emissionen aus der Wertschöpfungskette, die sogenannten Scope-3-Emissionen, entziehen sich oft der direkten Kontrolle europäischer Marken, was die Erhebung entsprechender Daten erschwert. Zudem gibt es wenig Anreize oder Verpflichtungen, diese Emissionen zu reduzieren, da sie keinem Unternehmen direkt zuordenbar sind. Die Bevölkerung in den Produktionsländern allerdings ist durch klimawandelbedingte Extremwetterphänomene und die Luftverschmutzung im Umkreis der Textilfabriken doppelt von den Auswirkungen der Emissionen betroffen. 

Das langfristige Ziel der Bündnisinitiative Supplier Decarbonization ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen in der Textillieferkette zu reduzieren. In diesem Rahmen nehmen Beschäftigte von rund 50 Zulieferbetrieben beteiligter Bündnismitglieder in Bangladesch und Pakistan an sogenannten „Climate Action Trainings“ (CAT) teil. Die Betriebe erstellen zudem eine eigene Energy Balance und setzen konkrete, langfristige Reduktionsziele fest. Ergänzend wird eine Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die lokale Bevölkerung durchgeführt. 

Im Jahr 2024 fanden mehrere Workshops zu den Themen Climate Action, Energiebilanzen, Treibhausgasemissionen und Science Based Targets statt, teils virtuell, teils vor Ort. Die Rückmeldungen der Mitgliedsunternehmen und Zulieferer zeigen, dass die Zulieferer die Workshops, vor allem persönlich, als äußerst wertvoll empfinden. Sie konnten dadurch ein besseres Verständnis für den Zusammenhang zwischen EU-Regularien und ihrem eigenen Beitrag zur Emissionsreduktion entwickeln – und erkennen zunehmend, dass Maßnahmen zur Energieeffizienz nicht nur Kosten senken, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Scope-3-Emissionen leisten. 

Diese Mitglieder und Partner beteiligten sich an der Bündnisinitiative Supplier Decarbonization

Unternehmen: 
Adler Modemärkte GmbH, DELTEX, Gebr. Heinemann GmbH & Co. KG, JAKO AG, KiK, Lidl, Otto Group, Sockswear, Takko, WIBU TextilPlus GmbH 

Zivilgesellschaftliche Akteure: 
BlueSign, Fashion Revolution Germany, NABU, UBA 

Weitere Kooperationspartner: 
50 Produktionsstätten, Stakeholder der Gemeinden (Karatchi und Dhaka) 

Projekt Circular Down

Synthetik als Füllmaterial hat Naturmaterialien bei Bettwaren längst überholt – in Deutschland liegt der Anteil aktuell bei rund 70 %. Neben dem hohen Energieaufwand, der für die Produktion von Füllmaterialien aus fossilen Rohstoffen erforderlich ist, ist die Tatsache, dass die meisten dieser synthetischen Chemiefasern nicht biologisch abbaubar sind, ökologisch besonders bedenklich. Auch Mikroplastik, das beim Waschen entstehen kann, wird zunehmend als gesundheitsgefährdend bewertet.  

Anders ist dies bei Daunen und Federn, die gar nicht separat produziert werden müssen, sondern als ein Nebenprodukt der Geflügelwirtschaft verfügbar und nach Ablauf ihrer Nutzung sogar kompostierbar sind. Im Unterschied zu Westeuropa, wo Gänse und Enten saisonal meist in der kalten Jahreszeit verarbeitet werden, verwendet die asiatische Küche das Geflügelfleisch ganzjährig. Deshalb stammt auch der überwiegende Teil der neuen Daunen, die bei uns als Füllmaterial eingesetzt werden, aus China. Diese müssen über CO2-intensive Transportwege importiert werden. 

Mit dem Mitgliederprojekt Circular Down verfolgt das Bündnis für nachhaltige Textilien das Ziel Verbraucher*innen und Handelspartner über die Vorteile recycelter Daunen und Federn zu informieren. Im Bewusstsein der Verbraucher*innen ist oft noch nicht verankert, dass Daunen und Federn recycelt werden können, um ihnen so bis zu fünf Mal ein neues Leben zu schenken. Darüber hinaus haben mit Daunen und Federn gefüllte Bettwaren ohnehin eine lange Nutzungsdauer von durchschnittlich über 10 Jahren. Im Jahr 2024 arbeiteten die beteiligten Bündnismitglieder gemeinsam an einer Kommunikationskampagne, die mit Vorurteilen und Wissenslücken aufräumt. Gleichzeitig ist geplant einen neuen, speziell auf Daunen und Federn ausgerichteten Rückgabeweg zu entwickeln und bestehende Rückgabemöglichkeiten wie Textilabfallcontainer, Reststoffhöfe oder Händleraktionen zu unterstützen. 

Diese Mitglieder und Partner beteiligten sich an dem Projekt Circular Down

Unternehmen: 
Essenza Home, erlich textil 

Zivilgesellschaftliche Akteure: 
FairWertung 

Weitere Kooperationspartner: 
BTE Handelsverband Textil, Verband deutscher Federnindustrie e.V. (VDFI), Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e. V. (BEVH) 

Komplementär zu diesem Mitgliederprojekt fördert das Bündnis für nachhaltige Textilien die Verbesserung von Tierwohlstandards auf chinesischen Geflügelfarmen. Ein Großteil der neuen Daunen für Daunenprodukte kommt derweil aus China. Immer wieder gibt es Berichte über eine unzureichende Berücksichtigung von Tierwohlaspekten in chinesischen Geflügelbetrieben. Um eine nachhaltigere Produktion von Daunen zu fördern, werden Trainingsmaterialien zu Tierwohlaspekten für Mitarbeitende auf chinesischen Geflügelfarmen erstellt und strengere Tierwohlkriterien in den Downpass, einen Standard für nachhaltige Federn und Daunen, integriert. 

Kapitel 4.1
Existenzsichernde Löhne und Einkaufspraktiken
Kapitel 4.3
Geschlechtergerechtigkeit